Über Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina; verkürzt auch BiH, Bosnien-Herzegowina oder nur Bosnien genannt, ist ein südosteuropäischer Bundesstaat. Das Staatsgebiet liegt östlich des Adriatischen Meeres und befindet sich nahezu komplett im Dinarischen Gebirge. Nachbarstaaten sind im Norden und Westen Kroatien, im Osten Serbien und Montenegro im Südosten. Die bosnische Bevölkerung betrug 2013 gut 3,5 Millionen. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Sarajevo, weitere Großstädte sind Banja Luka, Tuzla, Zenica, Bijeljina und Mostar.

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Der Staat ging in seiner heutigen Form aus dem Abkommen von Dayton (1995) hervor und ist laut diesem Rechtsnachfolger der Republik Bosnien und Herzegowina, die unmittelbar nach einem Referendum Anfang 1992 gegründet wurde und während des Bosnienkrieges das einzige international anerkannte von insgesamt vier Staatsgebilden auf dem Territorium Bosnien-Herzegowinas war. Der Vertrag von Dayton beendete den Krieg im Land und schuf einen einheitlichen, jedoch stark dezentralisierten (föderalistischen) Staat. Heute besteht Bosnien und Herzegowina aus den beiden Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina (mehrheitlich von Bosniaken und bosnischen Kroaten bevölkert) und Republika Srpska (mehrheitlich von bosnischen Serben bevölkert). Das Sonderverwaltungsgebiet Brčko wurde nachträglich aus zu beiden Entitäten zugehörigen Anteilen der Vorkriegs-Großgemeinde Brčko geschaffen und fungiert heute als Kondominium beider Entitäten, verwaltet sich jedoch selbständig. An Bosnien und Herzegowina grenzen insgesamt drei Staaten. Im Osten Serbien, im Südosten Montenegro, sowie im Norden, Westen und Südwesten Kroatien. Des Weiteren hat der Staat bei Neum im Neum-Korridor einen 20 Kilometer langen Küstenstreifen an der Adria. Bosnien und Herzegowina ist Mitglied des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens, der Vereinten Nationen, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (Beobachterstatus), des Europarates, Teilnehmer der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und des Kooperationsrates für Südosteuropa. Des Weiteren ist das Land seit 2010 offizieller Beitrittskandidat für eine NATO-Mitgliedschaft und potentieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Klima

Bosnien und Herzegowina liegt im Übergangsgebiet zwischen mediterranem und kontinentalem Klima.

Bevölkerung

Die Staatsbürger Bosnien und Herzegowinas werden als Bosnier bezeichnet. Damit sind Bosniaken und Kroaten wie auch Serben gemeint, die in Bosnien und Herzegowina beheimatet sind. Dagegen werden mit dem Begriff Bosniaken ausschließlich die bosnischstämmigen Muslime bezeichnet. Alle zählen zu den „drei konstituierenden Völkern“ des Landes und sind offiziell gleichberechtigt.

Die Volkszählung 2013 ergab einen Anteil von 50,1 Prozent Bosniaken (größtenteils Muslime), 30,8 Prozent Serben (größtenteils Orthodox) sowie 15,4 Prozent Kroaten (größtenteils Katholiken).[4] Der Rest der Bevölkerung gehört entweder einer der 17 offiziell anerkannten Minderheiten wie Roma und Juden an[12] oder gab keine ethnische Zuordnung an. Die ethnische Selbstzuordnung der Bosnier basiert hauptsächlich auf ihrer Religionszugehörigkeit und der teils damit verbundenen kulturellen Unterschiede. Eine sprachliche Trennung gibt es innerhalb Bosniens nicht, da alle Volksgruppen ijekavisch-neuštokavische Dialekte des Serbokroatischen sprechen. Seit den Jugoslawienkriegen bezeichnen sie ihre Sprache jedoch in der Regel analog zur ethnischen Zugehörigkeit als Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch und verwenden den entsprechenden schriftsprachlichen Standard.

Tourismus, Sehenswürdigkeiten

  • Stari most (Brücke von Mostar), UNESCO-Welterbe
  • Stari most u Višegradu (Brücke von Višegrad), UNESCO-Welterbe
  • Vrelo Bune (Buna-Quelle), eine der stärksten und größten Quellen Europas
  • Jajce, mit Burg, 17 Meter hohem Wasserfall und den Plivaseen
  • Kravice vodopad (Kravica-Wasserfälle), unter Naturschutz stehend
  • Međugorje (Zwischenbergen), weltbekannte Pilgerstätte
  • Bosanske piramide (Pyramiden von Bosnien), pyramidenähnliche Berge
  • Nacionalni park Kozara (Nationalpark Kozara), Denkmal für die Opfer der Schlacht von Kozara im Zweiten Weltkrieg
  • Nacionalni park Sutjeska (Nationalpark Sutjeska): Zum Park gehört einer der zwei letzten Urwälder Europas (Perućica), der höchste Gipfel des Landes (Maglić), der 75 Meter hohe Wasserfall Skakavac und die Schlucht der Sutjeska.
  • Hutovo Blato, größtes Naturreservat für Sumpfvögel in Europa

Weitere sind die Burg und Festungsmauern von Počitelj, das mittelalterliche Schloss von Travnik, die Befestigungsanlage und das Amphitheater von Banja Luka, die Seen Blidinjsko jezero, Prokoško jezero und Šatorsko jezero, zahlreiche mittelalterliche Grabsteine (Stećci) vor allem in der Herzegowina, die Raftingangebote auf den Flüssen Neretva, Una und Drina, der Adria-Küstenort Neum mit der höchsten durchschnittlichen Jahrestemperatur des Landes sowie die von US-Präsident Bill Clinton eingeweihte Gedenkstätte in Potočari für die Opfer des Massakers von Srebrenica

In Sarajevo und Umgebung befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die Lateinerbrücke etwa war Ausgangspunkt des Ersten Weltkrieges, da hier das Attentat auf Franz Ferdinand von Österreich und dessen Frau verübt wurde. Das Bosmal City Center (118 m) und der Avaz Twist Tower (142 m) wurden 2001 bzw. 2009 fertiggestellt und sind aktuell die höchsten Gebäude auf der Balkanhalbinsel. Weiters sehenswert sind die komplette Altstadt Baščaršija mit dem türkischen Wasserbrunnen Sebilj und die Vijećnica, das alte Rathaus der Stadt. Weiters gibt es in der Stadt viele prächtige historische Moscheen (z. B. Gazi-Husrev-Beg-Moschee, größte historische Moschee des Landes) und Kirchengebäude. In der näheren Umgebung liegen zudem die Wintersportgebiete Bjelašnica und Jahorina, wo auch schon die Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen wurden. An die Belagerung der Stadt während des Bosnienkrieges erinnern der Sarajevski ratni tunel (Sarajevo-Tunnel), das Historijski muzej Bosne i Hercegovine (Historisches Museum von Bosnien und Herzegowina), die „Rosen von Sarajevo“ und die noch zahlreich vorhandenen Zerstörungen und Einschusslöcher an Gebäuden, vornehmlich am Stadtrand. Die Stadt bietet darüber hinaus noch weitere Museen, die sich der geschichtlichen Aufarbeitung der Stadt und des ganzen Landes widmen. Dazu zählen etwa das Nationalmuseum und das Museum von Sarajevo.